|
|
Süddeutsche Zeitung
Glanzlichter zwischen Nostalgie und Moderne
"(...) Während früher schwarz gekleidete Portugiesen oft melancholisch aufs Meer schauten, blicken sie heute trendy gekleidet und Handy am Ohr in die Zukunft. Spätestens seit der Expo 98 hat Lissabon der Welt gezeigt, dass sie modern und europäisch ist. Auf dem 330 Hektar großen Gelände fanden die größten Baumeister eine Spielwiese, auf der beispielsweise der Spanische Stararchitekt Santiago Calatrava oder der Portugiese Siza Viera Meisterwerke hinterließen. Die letzte Weltausstellung des 20. Jahrhunderts verursachte die größte urbane Revolution seit dem Erdbeben von 1755.
Der Parque das Nações , eine gigantische Fläche aus Pavillons, Wassergärten, Freilichtbühnen, Konzerthallen, Restaurants, Bars und dem einzigartigen Meeresaquarium, steht bei den Lisboetas als Freizeitpark seitdem an erster Stelle.
Unverändert leben die Bewohner dem Meer zugewandt, auch die Jungen. Wenn die Hitze des Tages abgeklungen und die Abendsonne hinter der Christusstatue an der roten Tejo-Brücke untergegangen ist, startet am Tejo die große Party. Zwischen dem Parque das Nações im Osten und dem Vorort Belém im Westen, herrscht auf gut zwanzig Kilometern Starkstromatmosphäre. In den 90er Jahren mutierten die abgewirtschafteten Industriezonen entlang der Hafenkais schlagartig zum ausgeflipptesten und schrillsten Szeneviertel der Stadt. Designer übernahmen die Umgestaltung der Docks mit Edelstahl, Glas und Halogen, schicke Diskos, Clubs und Restaurants hielten Einzug.
Selbst die Wehmutsmelodie, die Amália Rodrigues wie keine andere verkörperte, klingt nicht mehr wie früher. Diven mit Superstimmen wie Maríza, Mísia, Dulce Pontes und Katia Guerreiro haben die alten Fado_melodien aufgefrischt und singen jetzt mit Texten von Literaten wie José Saramago, Lobo Antunes oder Lídia Jorges. Der Tejo-Blues erlebt eine Renaissance. Die neuen Fadistas touren erfolgreich durch die Konzertsäle Europas. (...)"
|