Tiefe Schönheit – Lissabons U-Bahn ist ein Kunstwerk unter Tage
"(...) Die Verbindung zwischen der Kunst und dem Alltag ist in Portugal allgegenwärtig. Doch nirgendwo ist sie so präsent wie im Metropolitano de Lisboa, dessen erste Stationen vor genau 45 Jahren eingeweiht wurden. Damals wählte der Architekt Keil do Amaral, fasziniert von ihrem Glanz, Fliesen als Material zur Verzierung und zum Schutz der Wände. Seine Frau, die berühmte Malerin Maria Keil, fügte dann die buntbemalten Kacheln zu psychedelisch anmutenden Kompositionen zusammen – ganz im Geiste der Zeit.
Viele namhafte Künstler haben sich seitdem an der Gestaltung der Metro beteiligt. Eine neue Künstlergeneration veränderte 1988 die Metro entscheidend: Rolando Sá Nogueira machte aus der Station Laranjeiras einen blühenden Orangengarten, das berühmte Gemälde von Maria Helena Vieira da Silva, "Luftschutzbunker", ist das zentrale Element der Station Cidade Universitária. Júlio Pomar skizzierte die großen portugiesischen Literaten, Camões, Bocage, Pessoa und Almada, im klassischen Azulejo-Blau an den Wänden der Alto dos Moinhos. Die Station Oriente wurde anlässlich der Expo 1998 gleich von elf Künstlern aus verschiedenen Ländern in eine Kunsthalle verwandelt – Friedensreich Hundertwassers "Unterwassersetzung von Atlantis" ist nur eines der überdimensionalen Azulejos, wegen der die Touristen die rote Linie bis zu ihrem nördlichsten Ende fahren. (...)"